Fiktive Abrechnung 2025: Der ultimative Ratgeber nach dem Unfall

Sie hatten einen unverschuldeten Unfall und möchten wissen, ob Sie den Schaden reparieren lassen müssen oder das Geld dafür bekommen können? Die fiktive Abrechnung bedeutet: Sie erhalten die Reparaturkosten von der gegnerischen Versicherung ausgezahlt, ohne Ihr Fahrzeug tatsächlich reparieren lassen zu müssen.

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Was ist eine fiktive Abrechnung und wann ist sie erlaubt?

Definition und rechtliche Grundlage

Bei der fiktiven Abrechnung bekommen Sie das Geld für die Reparatur, müssen Ihr Fahrzeug aber nicht zwingend reparieren lassen. Die voraussichtlichen Reparaturkosten werden Ihnen direkt ausgezahlt und Sie können frei darüber verfügen. Diese Option ist gesetzlich in § 249 BGB verankert: Der zweite Absatz gibt Ihnen das Recht, statt der Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag zu verlangen.

Konkrete oder fiktive Abrechnung – wo liegt der Unterschied?

Bei der konkreten Abrechnung lassen Sie reparieren, reichen Werkstattrechnungen ein und bekommen den vollen Betrag inklusive Mehrwertsteuer erstattet. Bei der fiktiven Abrechnung erhalten Sie den Nettobetrag ohne Mehrwertsteuer, weil diese nicht tatsächlich angefallen ist. Gutachter- und Anwaltskosten werden jedoch vollständig erstattet. Wichtig: Eine Kombination beider Abrechnungsarten ist nach aktueller BGH-Rechtsprechung nicht zulässig.

Voraussetzungen für die fiktive Abrechnung

Grundsätzlich können Sie bei allen unverschuldeten Unfallschäden fiktiv abrechnen. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein: Reparaturkosten dürfen maximal 130% des Wiederbeschaffungswertes betragen. Bei Nutzung der 130%-Regel: mindestens 6 Monate Weiternutzung des Fahrzeugs. Bei Leasingfahrzeugen ist die Zustimmung des Eigentümers erforderlich.

So setzen Sie Ihre Ansprüche richtig durch

1. Unabhängiges Gutachten einholen

Bei Schäden über 750 Euro sollten Sie unbedingt einen unabhängigen Sachverständigen beauftragen. Für kleinere Bagatellschäden reicht ein qualifizierter Kostenvoranschlag. Lassen Sie sich nicht auf den von der gegnerischen Versicherung vorgeschlagenen Gutachter ein! Sie haben jederzeit das Recht, einen eigenen qualifizierten Sachverständigen zu wählen.

2. Unterlagen bei der gegnerischen Versicherung einreichen

Nach Erhalt des Gutachtens reichen Sie alle Unterlagen bei der Versicherung des Unfallverursachers ein. Erklären Sie dabei schriftlich, dass Sie fiktiv abrechnen möchten.

3. Auszahlung des Nettobetrags

Die Versicherung zahlt den Nettobetrag der Reparaturkosten aus – ohne die 19% Mehrwertsteuer. Das ist rechtens, da bei einer nicht durchgeführten Reparatur keine Umsatzsteuer anfällt. Die Kosten für Gutachter und Anwalt werden jedoch inklusive Mehrwertsteuer erstattet.

4. Wertminderung und Nutzungsausfall zusätzlich geltend machen

Zusätzlich zu den Reparaturkosten stehen Ihnen weitere Entschädigungen zu. Die merkantile Wertminderung können Sie auch bei fiktiver Abrechnung geltend machen. Beim Nutzungsausfall erhalten Sie eine Entschädigung für die gutachterlich ermittelte Ausfallzeit.

Wenn die Versicherung nicht zahlen will

Ungerechtfertigte Kürzungen erkennen und abwehren

Eine pauschale Kürzung der gutachterlich ermittelten Reparaturkosten ist unzulässig. Trotzdem versuchen es viele Versicherungen. Typische Kürzungsversuche betreffen: Stundenverrechnungssätze von Markenwerkstätten, UPE-Aufschläge auf Originalersatzteile, Verbringungskosten für Lackierarbeiten. Wehren Sie sich gegen ungerechtfertigte Kürzungen – notfalls mit anwaltlicher Hilfe.

Der Trick mit den 'günstigen Werkstätten'

Versicherungen verweisen Geschädigte gerne auf günstigere freie Werkstätten. Doch das ist nicht immer zulässig! Eine Verweisung ist nur erlaubt, wenn die Reparaturqualität gleichwertig ist, die Werkstatt für Sie mühelos zugänglich ist und der niedrigere Preis nicht auf Sonderkonditionen mit der Versicherung beruht.

Fiktive Abrechnung bei Leasingfahrzeugen

Besonderheiten bei Leasing- und Finanzierungsfahrzeugen

Bei Leasingfahrzeugen ist die fiktive Abrechnung grundsätzlich möglich, aber an besondere Bedingungen geknüpft. Da das Fahrzeug rechtlich der Leasinggesellschaft gehört, benötigen Sie deren Zustimmung für die fiktive Abrechnung. In der Praxis bedeutet das: Sie müssen der Leasinggesellschaft den Unfall melden und die fiktive Abrechnung mit ihr abstimmen.

Restwert und Leasing-Sonderzahlung

Bei Leasingfahrzeugen mit wirtschaftlichem Totalschaden muss der Restwert an die Leasinggesellschaft abgeführt werden. Die Versicherung zahlt den Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert.

Steuerliche Aspekte der fiktiven Abrechnung

Mehrwertsteuer – warum Sie nur den Nettobetrag erhalten

Der häufigste Punkt, der Geschädigte verwirrt: Bei der fiktiven Abrechnung erhalten Sie nur den Nettobetrag der Reparaturkosten – ohne die 19% Mehrwertsteuer. Das ist rechtens und logisch nachvollziehbar: Da Sie das Fahrzeug nicht reparieren lassen, fällt auch keine Umsatzsteuer an.

Steuerliche Behandlung bei gewerblicher Nutzung

Bei Fahrzeugen, die Sie für Ihre gewerbliche oder selbstständige Tätigkeit nutzen, gelten besondere Regeln. Wenn Sie die Mehrwertsteuer abziehen können, erhalten Sie bei der konkreten Abrechnung den Bruttobetrag und können die Vorsteuer abziehen.

Praxisbeispiele: So rechnen Sie fiktiv ab

Beispiel 1: Mittelklassewagen mit Heckaufprall

Ein VW Passat (3 Jahre alt, 45.000 km) wird beim Auffahrunfall am Heck beschädigt. Reparaturkosten netto 4.200 €, Wertminderung 800 €, Nutzungsausfall 350 €. Fiktive Abrechnung: 4.200 € + 800 € + 350 € + 25 € = 5.375 €.

Beispiel 2: Kompaktwagen mit Parkscharnier

Ein VW Golf (5 Jahre alt, 80.000 km) erhält beim Parken einen Beulen im Türbereich. Reparaturkosten netto 1.100 €. Fiktive Abrechnung: 1.100 € + 25 € = 1.125 €.

Beispiel 3: Oberklasse-Fahrzeug mit Seitenschaden

Ein Mercedes E-Klasse (2 Jahre alt, 25.000 km) wird seitlich gerammt. Reparaturkosten netto 8.500 €, Wertminderung 2.200 €, Nutzungsausfall 560 €. Fiktive Abrechnung: 11.285 €.

Häufige Fehler bei der fiktiven Abrechnung

Fehler 1: Reparatur doch durchführen lassen

Wenn Sie sich für die fiktive Abrechnung entschieden und den Nettobetrag erhalten haben, dürfen Sie das Fahrzeug nicht nachträglich in einer Werkstatt reparieren lassen und dann die Bruttorechnung einreichen. Das wäre eine unzulässige Kombination.

Fehler 2: Wertminderung vergessen

Viele Geschädigte fordern nur die Reparaturkosten und vergessen die merkantile Wertminderung. Gerade bei jüngeren Fahrzeugen kann die Wertminderung mehrere tausend Euro betragen. Nur ein vollständiges, unabhängiges Gutachten weist diese Position korrekt aus.

Fehler 3: Zu niedrigen Erstbetrag akzeptieren

Versicherungen zahlen oft zunächst nur einen Teilbetrag und erklären diesen als 'Abschlagszahlung'. Unterschreiben Sie keine Quittung oder Vergleichserklärung, die den Betrag als 'endgültig' deklariert.

Unser Fazit zur fiktiven Abrechnung

Die fiktive Abrechnung ist ein starkes Werkzeug für Geschädigte nach einem unverschuldeten Unfall. Sie gibt Ihnen maximale Flexibilität: Sie erhalten das Geld und entscheiden selbst, wofür Sie es einsetzen. Wichtig ist ein unabhängiges Gutachten als Grundlage – denn nur so stehen die tatsächlichen Reparaturkosten fest. Bei Fragen zur fiktiven Abrechnung stehen wir Ihnen als unabhängige Gutachter jederzeit zur Seite.

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